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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Pulmologie

Bronchialkarzinom: Diagnose

Bronchialkarzinom

Definition

Lungenkrebs, fachlich korrekt als Bronchialkarzinom bezeichnet, ist ein bösartiger Tumor der Bronchien.

Ursachen

  • Rauchen (mehr als 80% aller Tumore treten bei Rauchern bzw. Ex-Rauchern auf)
  • Belastungen durch Asbest, Teer, Radon, Nickel

Epidemiologie

Die Inzidenz liegt bei 60/100.000/Jahr und 1/3 aller Krebstodesfälle treten beim Mann auf.

Wie entsteht Krebs?

  • Entwicklung bösartiger Zellen über einen Vielstufenprozess
  • unkontrolliertes Wachstum der Tumorzellen
  • Aussaat ("Metastasierung") von Tumorzellen
    (Details siehe Kapitel Chemotherapie)
Stadien Bronchialkarzinom
T
Primärtumor
T x
positive Zytologie (d.h. Tumorzellen bei diagnostischen Eingriffen nachgewiesen)
T 1
Tumordurchmesser <3cm
T 2
Tumordurchmesser >3cm, Ausbreitung in Hilusregion, viszerale Pleura, partielle Atelektase (d.h. Lungenabschnitte teilweise nicht mit Luft gefüllt)
T 3
Ausbreitung in Brustwand, Zwerchfell, Herzbeutel, mediastinale Pleura; totale Atelektase
T 4
Ausbreitung in Mittelfell, Herz, großen Gefäßen, Luftröhre, Speiseröhre
N
regionale Lymphknoten
N 1
peribronchiale und ipsilaterale hiläre Lymphknoten (i.e. lokale Lymphknoten, die in der gleichen Lungenhälfte wie der Tumor liegen)
N 2
ipsilaterale mediastinale Lymphknoten (Erklärung siehe oben)
N 3
kontralaterale mediastinale Lymphknoten (i.e. Lymphknoten, die im Bereich der anderen Lungenhälfte liegen), Skalenus- oder supraklavikuläre Lymphknoten (i.e. Lymphknoten, die um das Schlüsselbein angeordnet sind)
M
Fernmetastasen
M 0
Fernmetastasen nicht nachweisbar
M 1
Fernmetastasen nachweisbar

Metastasierung

  • Lymphknoten
  • Leber
  • Nebennieren
  • Gehirn
  • Knochen
  • Knochenmark

Genetik

möglicherweise genetische Faktoren beteiligt

Histologie

4 Haupttypen des Bronchialkarzinoms (BC):

  • Plattenepithelkarzinom
  • Adenokarzinom (bei Nichtrauchern und Frauen überwiegend)
  • großzelliges BC (ebenso wie Mischtumoren relativ selten)
  • kleinzelliges BC

Nach dem biologischen Verhalten und der Effektivität der Chemotherapie Einteilung in das kleinzellige BC und in die Gruppe der nicht-kleinzelligen BC (Plattenepitel-, Adeno-, großzelliges Ca).

 

Kleinzelliges BC

Durch besonders aggressives biologisches Verhalten gekennzeichnet (bei etwa 2/3 der Patienten bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Metastasen vorhanden).
Prinzipiell gutes Ansprechen des kleinzelligen BC auf Strahlen- oder Chemotherapie.

 

Nicht-kleinzelliges BC

  • in frühen Stadien: Operation
  • im Stadium III: Chemo- plus Strahlentherapie, Operation bei ausgewählten Patienten
  • im Stadium IV: systemische Chemotherapie, Strahlentherapie bei Bedarf

Symptome

  • Husten
  • Hämoptysen
  • Dyspnoe
  • Thoraxschmerzen

 

Folgende Zeichen weisen meist auf ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium hin: 

  • Fieber bei tumorbedingter Retentionspneumonie
  • obere Einflussstauung (Vena-cava-superior-Syndrom) bei zentral sitzendem BC
  • supraklavikuläre Lymphknoten
  • Heiserkeit bei Ummauerung des N. recurrens
  • starke Schmerzen bei Infiltration des Zervikalplexus bei Pancoast-Tumor
  • Dyspnoe bei massivem, tumorbedingtem Pleuraerguss
  • Gewichtsabnahme
  • ferner auch paraneoplastisches Syndrom, wie z.B. Cushing-Syndrom
    Im Einzelfall führen Schmerzen bei Skelett-, Ikterus bei Leber- oder neurologische Störungen bei Hirnmetastasen zur Diagnose.

Diagnostik 

Für alle therapeutischen Maßnahmen exakte histologische Diagnose und Tumorstadium notwendig. Ziel aller Bemühungen ist daher deren Sicherung (s. diagnostische Stufenpläne). Führt auch eine Wiederholungs-bronchoskopie nicht zur eindeutigen Diagnose, müssen weitere diagnostische Maßnahmen erfolgen (in Abhängigkeit von der Lokalisation der Tumormanifestationen, z.B. Pleuralbereich, peripheres Lungengewebe, hilär/mediastinal).

Diagnose des Primärtumors 
  • Röntgen Thorax in 2 Ebenen
  • CT des Thorax und des Abdomens (Leber, Nebennieren)
  • weitere radiologische Untersuchungen je nach klinischer Situation
  • Bronchoskopie (endo- und evtl. transbronchiale Biospie, Bürstenzytologie)
  • Sputumzytologie (am besten nach Bronchoskopie oder induziert)
  • videoassistierte offene Lungenbiopsie
  • Lungenfunktion für etwaige Operationen
  • Laboruntersuchungen: BSG, Blutbild, Elektrolyte, Nierenfunktionsparameter, LDH, Gamma-GT, AP, Bilirubin
  • Tumormarker:
    Plattenepithel-Ca: SCC, CYFRA 21-1
    kleinzelliges Ca: NSE, CEA
    Adenokarzinom: CEA, CYFRA 21-1
Diagnostischer Stufenplan: Verdacht auf Bronchuskarzinom
 
Verdacht auf BC
 
 
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Röntgen Thorax in 2 Ebenen und CT des Thorax
 
 
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Bronchoskopie
 
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positiv
  negativ
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Histologische Zuordnung
  Wiederholung ± Sputumzytologie
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Staging-Untersuchungen
Histologie- und stadiengerechte Therapie

Diagnostischer Stufenplan: Verdacht auf Bronchuskarzinom - Bronchoskopie negativ

 
Verdacht auf BC - Bronchoskopie negativ
 
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Peripherer Tumor unter
Pleurabeteiligung
 
Peripherer Rundherd oder Tumor
 
Mediastinal-Befall
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Pleurapunktion
 
Punktion, meist CT-gezielt
(auch Bronchoskopie mit transbronchialer Biopsie möglich)
 
Thorax-CT
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Pleurabiopsie
 
Operation
 
Mediastinoskopie
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Histologie- und stadiengerechte Therapie
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Stellenwert der Tumormarker

Die heute zur Verfügung stehenden Tumormarker eignen sich wegen ihrer mangelnden Sensitivität und unbefriedigenden Spezifität nicht zum Screening asymptomatischer Personen. Eine mögliche Hilfestellung bieten sie für die Therapie- und Verlaufskontrolle nach Operation und adjuvanter Therapie.
 

  • negative Tumormarker schließen BC nicht aus
  • erhöhte Tumormarker können bei schwieriger histologischer Diagnose die endgültige Zuordnung des Tumors erleichtern
  • erhöhte neuronenspezifische Enolase (NSE) würde für kleinzelliges BC, erhöhtes SCC (squamous cell carcinoma antigen) z.B. für Plattenepithelkarzinom, Carcinoembryonales Antigen (CEA) für Adenokarzinom sprechen

Differentialdiagnose

Beim peripher gelegenen röntgenologisch nachgewiesenen Rundherd oft schwierige Differentialdiagnose hinsichtlich einer Metastase eines extrapulmonal gelegenen Primärtumors oder eines Tuberkuloms.
Bei mehr flächenhaften Infiltrationen im Einzelfall Abgrenzung von Metastasen gegenüber Pneumonie (Retentionspneumonie durch Tumor?), Lungeninfarkt, Tuberkulose, Sarkoidose schwierig.

Vorsorge

Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen
(für Österreich gültige allgemeine Empfehlung des Arbeitskreises u. wiss. Komitees der ESO Wien)

 

Es ist den an der Erarbeitung der nun vorliegenden Empfehlungen beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften bzw. ihren Arbeitsgruppen besonders zu danken, dass sie eine neuerliche Anstrengung unternommen und an der Erstellung der nunmehrigen Empfehlung mitgearbeitet haben. Im Sinne dieser Vorgangsweise wurde bewusst zwischen Früherkennungund Screeningin folgender Weise unterschieden:

Als Früherkennung wurde - in direkter Anlehnung an die Empfehlungen der American Cancer Society - die Entdeckung einer Abnormalität in einer asymptomatischen oder symptomatischen Einzelperson aufgefasst, während Screening die systemische Suche nach einer Erkrankung in einer definierten Population bedeutet hätte.

</b>Bei der Erstellung der Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen wurden folgende Prämissen besonders beachtet:

  • Es musste als gesichert gelten, dass die Untersuchung medizinisch effektiv in Hinblick auf eine Früherkennung der Krebserkrankung ist, um die Morbidität und/oder Mortalität positiv zu beeinflussen,
  • die durch die Untersuchungen erzielten Vorteile sollten gegenüber den Risken überwiegen und
  • die Untersuchungen selbst praktikabel und durchführbar sein.

Somit liegt nun eine für Österreich gültige allgemeine Empfehlung für die Mindesterfordernisse einer Früherkennung maligner Erkrankungen bei Einzelpersonen vor, von der wir wiederum hoffen, dass sie auf ähnliche Akzeptanz wie die vorhergehenden Publikationen dieser Arbeitsgemeinschaft stoßen und unser aller Arbeit im Sinne einer Standardisierung der Vorgangsweise für die sich uns anvertrauenden Menschen erleichtern wird.

(Univ. Prof. Dr. Robert Pirker, Programmdirektor Bronchialkarzinom, Univ.Klinik für Innere Medizin I, Wien; Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Univ. Prof. Dr. Michael Krainer, Univ. Prof. Dr. Thomas Brodowicz, Koordinatoren des Arbeitskreises und des wiss. Komitees der ESO - Wien)

(Übersicht der Krebsarten, Genetische Testung, Tumormarker, wiss. Gesellschaften:
siehe www.krebszentrum.at/Entstehung, Vorsorge, Statistik)

Vorsorge Bronchialkarzinom
Normalpolulation
Maßnahme
Intervall
Empfehlung/Zeitpunkt
    Routinevorsorgeuntersuchung    
Risikopopulation*
   Anamnese, Klinische Untersuchung
jährlich
ab dem 45. Lebensjahr
Thoraxröntgen   bei begründetem Verdacht (chron. Husten länger als 4 Wochen, Blutspuren im Sputum, Brustschmerzen, Gewichtsverlust oder zunehmende Kurzatmigkeit)
Bronchoskopie
Sputum 3 x
  bei radiologischem Verdacht,
Hämoptysen
*Risikopopulation:
Leicht erhöhtes Risiko: Asbest-, Strahlenexposition, Inhalation von Chrom, Nickel, Arsen, Benzpyren
Stark erhöhtes Risiko: Raucher, Exraucher (mehr als 20 Zigaretten pro Tag über 20 Jahre)

Prophylaxe

Rauchen als Hauptursache gilt als erwiesen; daher wichtigste Prophylaxe: kein Zigarettenabusus, frühzeitige Raucherentwöhnung!
Epidemiologisch entscheidet die Dauer der Einwirkungszeit und die kumulative Dosis inhalativer Noxen.

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Letztes Update:2 März, 2009 - 12:22